Wie sich logistische Prozesse verbessern – und Mensch und Maschine zusammenarbeiten

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Amazon robotics Tracy 10109 Logistikzentren betreibt Amazon derzeit weltweit, davon 29 innerhalb der EU. Für Europa – und speziell für den Logistikstandort Wroclaw in Polen – ist heute ein ganz besonderer Tag, der eine neue Stufe der Prozessoptimierung in der Amazon Logistik dokumentiert: Wroclaw ist das erste europäische Logistikzentrum, das Robotersysteme einführt. Wir haben Roy Perticucci, Amazon Vice President Operations in Europa, befragt, welche Vorteile die neuen Systeme bringen und wie Mensch und Maschine künftig zusammenarbeiten werden.

Roy, der 15. Oktober 2015 ist ein ganz besonderes Datum für Amazon, weil „Amazon Robotics“ in Europa eingeführt wird. Was genau bedeutet „Robotics“ und wie können diese Systeme die Arbeit in den Amazon-Logistikzentren unterstützen?

Wir arbeiten ständig daran, uns zu verbessern und Veränderungen durchzuführen, die für unsere Kunden und für unsere Mitarbeiter von Vorteil sind. Mit jeder neuen Generation an Logistikzentren setzen wir mehr Technologie ein. In den neuesten Logistikzentren kommen nun die modernsten Technologien zum Einsatz, darunter auch Robotersysteme, sogenannte „Robotics“. Sie unterstützen unsere Mitarbeiter, indem sie die Waren direkt an ergonomische Arbeitsstationen bringen, wo sie für Bestellungen zusammengeführt werden.

Roy Perticucci, Amazon Vice President Operations in Europa: „,Robotics' unterstützen unsere Mitarbeiter bei ihrer Arbeit.“

Roy Perticucci, Amazon Vice President Operations in Europa: „,Robotics’ unterstützen unsere Mitarbeiter bei ihrer Arbeit.“

Warum werden diese Robotersysteme gerade jetzt in Europa eingeführt?

In den letzten 20 Jahren hat sich Amazon von einem kleinen Garagen-Versand in Seattle zu einem globalen Unternehmen mit mehr als 285 Millionen Kunden entwickelt. In Europa haben wir ein erfolgreiches Netzwerk, das 29 Logistikzentren in sieben Ländern umfasst und täglich Millionen von Waren an Kunden in ganz Europa liefert. Und wir wachsen weiter. Das bedeutet, dass auch unser europäisches Logistiknetzwerk weiterhin wachsen muss, um der Nachfrage unserer Kunden zu entsprechen.

Aufgrund des wachsenden Bestellvolumens investieren wir in neue Logistikzentren, stellen mehr Mitarbeiter ein – allein im letzten Jahr haben wir 6.000 zusätzliche unbefristete Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigen nun in Europa 25.000 Arbeitskräfte auf unbefristeter Basis. Wir  entwickeln kontinuierlich innovative Technologien, um unsere Kunden noch effizienter beliefern zu können.

Um unser Wachstum zu unterstützen, startet heute „Amazon Robotics” an unserem neuen Standort in Wroclaw in Polen und Anfang 2016 in den neuen Logistikzentren in Dunstable und Doncaster in Großbritannien. Das sind die ersten Logistikzentren, an denen wir die Robotersysteme außerhalb den USA einsetzen. Das ist keine radikale Veränderung – in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir viele verschiedene technologische Elemente eingeführt, die uns dabei geholfen haben, Produkte schnell und zuverlässig zu unseren Kunden zu bringen und so der stetig wachsenden Nachfrage und den Erwartungen unserer Kunden gerecht zu werden. Das hat nicht nur dazu geführt, dass wir die wachsende Anzahl der Logistikzentren in unserem europäischen Netzwerk mit den innovativsten Technologien ausstatten – es hilft auch unseren Mitarbeitern dabei, bei unserem Wachstum und einer zunehmenden Nachfrage weiterhin effektiv zu arbeiten. Und es macht ihre Arbeit einfacher.

Was bedeutet diese neue Technologie für die Amazon-Logistikmitarbeiter?

Die Maschinen unterstützen unsere Mitarbeiter. Ein Beispiel: Unsere Mitarbeiter müssen nicht mehr zu den jeweiligen Regalen laufen, um die bestellten Produkte zu holen, sondern Roboter bewegen die Lagerregale zu den Mitarbeitern. Roboter ermöglichen es uns auch, die Logistikzentren effizienter zu machen und wesentlich höhere Lagerbestände bereitzuhalten. All das hilft uns dabei, mehr Produkte in kürzerer Zeit zu liefern. Sie sorgen für ein sicheres Arbeitsumfeld und halten die Unfallrate auf durchgehend niedrigem Niveau.

Wie kann „Amazon Robotics” die Effizienz steigern und den Amazon-Kunden eine schnellere Verarbeitung ihrer Bestellungen ermöglichen?

Durch „Robotics“ können wir in unseren Logistikzentren 50 Prozent mehr Waren lagern. Der Einsatz von Robotern reduziert die Verarbeitungszeit für bestellte Produkte von teilweise mehreren Stunden auf nur wenige Minuten. Dadurch können die Bestellungen schneller verschickt werden. Durch „Robotics“ können wir nicht nur eine größere Auswahl vorhalten, das System hilft uns auch dabei, Bestellungen so schnell zu verarbeiten, wie das zuvor noch nie möglich war, weil es die Laufzeiten für unsere Mitarbeiter reduziert und eine höhere Parallelverarbeitung möglich macht. In einigen Fällen können wir Bestellungen innerhalb weniger Minuten verarbeiten – wo früher Stunden benötigt wurden.

Über „Amazon Robotics“

Im Jahr 2012 übernahm Amazon das Unternehmen „Kiva Robotics“. Die Akquisition bildete die Grundlage für das heutige „Amazon Robotics“. Tausende von Robotereinheiten sind bereits in 13 Logistikzentren in den Vereinigten Staaten und seit heute auch in Polen im Einsatz. Die Roboter fahren mit einer Geschwindigkeit von rund 5,5 Stundenkilometern und wiegen ca. 145 Kilogramm. Sie können bis zu 340 Kilogramm heben.

Kiva wurde 2003 aus der Überzeugung gegründet, dass bessere Logistiklösungen benötigt wurden, um die Kundenwünsche im Online-Handel zu erfüllen. Heute ist das Unternehmen Teil des Amazon-Konzerns und hat die Amazon-Logistik weltweit revolutioniert. Als größtes Forschungs- und Entwicklungszentrum von Amazon an der US-Ostküste wächst „Amazon Robotics“ schneller als je zuvor in der Unternehmensgeschichte und baut kontinuierlich die technologische Sparte aus.

Der Firmensitz von „Amazon Robotics“ liegt außerhalb von Boston im US-Bundesstaat Massachussetts. Zwei weitere Standorte befinden sich in Massachussetts (Westborough) und in Deutschland (Berlin). Die Fabrikationsanlagen der Robotics befinden sich am Firmensitz in der Nähe von Boston.

Hier geht es zum Artikel „Amazons Roboter rollen in Europa“, den Martin Gropp am 19.10.2015 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht hat.