Agentur für Arbeit zeichnet Amazon Koblenz für Integration von Mitarbeitern aus

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Niklas ist einer der hörgeschädigten Mitarbeiter am Standort Koblenz.

Niklas ist einer der hörgeschädigten Mitarbeiter am Standort Koblenz.

Die Agentur für Arbeit hat Amazon Koblenz  mit dem “Zukunftszertifikat 2014″ ausgezeichnet.  Amazon, so die Begründung, sei ein Vorbild für Unternehmen und gebe vielen Menschen eine Chance, die lange vergeblich darauf gewartet hätten. So auch den mittlerweile 20 gehörlosen Mitarbeitern, die im Logistikzentrum arbeiten.

Die Meldung der Agentur für Arbeit veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung nachfolgend auszugsweise. Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.

Niklas Kraus und Björn Saueressig haben viel gemeinsam: Beide sind so stark hörgeschädigt, dass sie sich nur schwer mit Menschen austauschen können, die keine Gebärdensprache beherrschen. Sowohl der Technische Zeichner als auch der Orthopädische Schuhmacher haben eine Ausbildung gemacht und dann erlebt, wie schwierig für sie die Integration in einen Betrieb ist, wenn Vorgesetzte und Kollegen ihre persönliche Situation nicht nachempfinden können oder wollen. Sie haben erfahren, wie mühevoll es ist, wieder Fuß zu fassen, wenn man als behinderter Mensch erst mal arbeitslos ist. Und sie haben es trotzdem geschafft: Seit Dezember 2012 arbeiten beide beim Online-Versandhändler Amazon am Koblenzer Stadtrand.

Damit gehören sie zu den 20 hörgeschädigten Menschen, die im Amazon Logistikzentrum Koblenz eine berufliche Zukunft gefunden haben. Insgesamt sind knapp 100 der rund 2000 Beschäftigten schwerbehindert. Noch mehr sind älter als 50 oder wurden außerhalb Deutschlands geboren. Andere können keine oder so gut wie keine berufliche Qualifikation vorweisen. „Unser Erfolg basiert auf einem guten Umgang miteinander. Wir geben allen Leuten eine Chance, beruflich Fuß zu fassen und behandeln jeden Mitarbeiter mit Würde und Respekt. Das ist ein wichtiger Teil unserer Philosophie und wird an allen Standorten gelebt”, sagt Amazon-Standortleiter Gregory Bryan.

“Viele der Menschen mussten lange auf eine Chance warten”

Ulrike Mohrs, Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, kennt den regionalen Arbeitsmarkt und die Schwierigkeiten, die schwerbehinderte, ältere, geringer qualifizierte oder  oder langzeitarbeitslosen Bewerber oft haben. „Viele der Menschen, die hier einen Job gefunden haben, haben sehr lange auf dieses Chance warten müssen. Und ohne Amazon würden die meisten das vermutlich noch immer tun.“ Für sie ein wichtiger Grund, das Unternehmen mit dem Zukunfts-Zertifikat Ihres Hauses auszuzeichnen – und damit als Vorbild für andere hervorzuheben.

Amazon bietet im Vergleich eine Vielzahl an Extras – etwa Aktien, Boni, Altersvorsorge, kostenfreie Versicherungen – so verdient ein Mitarbeiter recht schnell rund 2.000 Euro brutto im Monat und oft mehr. Hinzu kommen kostenlose Getränke, die subventionierte Kantine, eine klimatisierte Halle und ein großes Sommerfest für alle Mitarbeiter und ihre Angehörigen. Neu bei Amazon: ein Weiterbildungsprogramm, das es Mitarbeiter/-innen ermöglicht,  Zusatzqualifikationen oder einen Abschluss zu erwerben –  und zwar egal, ob es um eine für Amazon relevante Ausbildung geht oder nicht.

Besondere Arbeitsbedingungen gelten für  viele der behinderten Mitarbeiter. Für die hörgeschädigten Mitarbeiter gibt es beispielsweise optische Signale und Vibrationsarmbänder, um auf auf Notsituationen aufmerksam zu machen. Außerdem wurden bereits im Vorfeld alle Arbeitsplätze darauf hin überprüft, ob sie mit Behinderten besetzt werden können und welche Behinderungen sich mit den jeweiligen Vorgaben am besten vereinbaren lassen.

Für Niklas Kraus und Björn Saueressig sind allerdings das Arbeitsklima und der Umgang unter den Kollegen und mit den Vorgesetzten das Schönste an ihrem Job.  „Hier nimmt man zwar Rücksicht auf unsere besondere Situation. Aber wir gehören dazu. Außenseiter zu sein, ist das Schlimmste“, erklärt Björn. Auch deshalb trauert der 32-Jährige seinem früheren Beruf kein bisschen nach.