Mitarbeiter mit Schwerbehinderung: „Bei Amazon in Bad Hersfeld tut sich viel“

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Die Schwerbehinderterbeauftragten  Gisela Schwarz-Apel  (1. v. li.) und Jürgen Albrecht (2. v. li.) für Amazon in Bad Hersfeld im Austausch mit gehörlosen Mitarbeitern.

Die Schwerbehinderterbeauftragten Gisela Schwarz-Apel (1. v. li.) und Jürgen Albrecht (2. v. li.) für Amazon in Bad Hersfeld im Austausch mit gehörlosen Mitarbeitern.

Jürgen Albrecht (56 J.), ist der Schwerbehindertenbeauftragte am Amazon-Logistikstandort in Bad Hersfeld. Rund 270 schwerbehinderte Mitarbeiter werden dort beschäftigt. Jürgen arbeitet bereits seit 2001 bei Amazon: Ursprünglich war er Picker und hat in dieser Funktion die Waren für Bestellungen aus dem Lager entnommen. Seit 2010 kümmert er sich zusammen mit seiner Stellvertreterin, Gisela Schwarz-Apel, um die Belange von Mitarbeitern, die körperlich in ihrer Arbeit im Logistikzentrum eingeschränkt sind. Was das genau bedeutet, hat er uns im Interview erzählt.

Jürgen, Du bist der Schwerbehindertenbeauftragte für die Logistikzentren in Bad Hersfeld. Was sind Deine Aufgaben?

Ich bin für die körperlich beeinträchtigten Mitarbeiter da und kümmere mich um deren Belange. Darunter fällt die bestmögliche Einbindung im Logistikzentrum, die Interessensvertretung von Schwerbehinderten, aber auch die Überwachung der Gesetze und Verordnungen zum Einsatz von Behinderten. Ich wurde von den Mitarbeitern gewählt, bin aber unabhängig vom Betriebsrat – sozusagen eine eigene Institution.

Wie sieht denn Deine tägliche Arbeit aus?

Ein Großteil meiner Arbeit entfällt auf die Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern mit dem Ziel, sie bestmöglich zu unterstützen. Die Arbeit mit dem Management hier in Bad Hersfeld, aber auch mit dem Integrationsamt ist zudem sehr wichtig. Wenn ein Mitarbeiter schwer erkrankt und eine körperliche Behinderung eintritt, ist zuerst die Sorge bei ihm groß. Wie soll es weiter gehen? Kann ich überhaupt noch arbeiten mit so einer schweren Behinderung? – Bevor eine Schwerbehinderung offiziell ist, kommt dazu der Gang zu den Behörden, der Antrag über das Arbeitsamt, auch hier versuche ich zu beraten und die nötigen Schritte zu erklären.

Wie viele Schwerbehinderte gibt es denn bei Amazon in Bad Hersfeld?

Wir haben hier insgesamt rund 270 schwerbehinderte Mitarbeiter. Das reicht von chronischen Krankheiten, Bewegungseinschränkungen und Lähmungen bis zu Behinderungen wie Gehörlosigkeit. Wir haben acht Mitarbeiter, die gehörlos sind.

Wann ist ein Mitarbeiter denn schwerbehindert und was hat das für Konsequenzen in der Arbeit?

Grundsätzlich gilt man mit einem Grad der Behinderung von 50 oder mehr als schwerbehindert. Dazu gibt es Möglichkeiten einer Gleichstellung bei einem Grad der Behinderung von 30 oder darüber. Das bedeutet beispielsweise, dass der Mitarbeiter dann Anspruch auf einen behindertengerechten Arbeitsplatz hat, einen besonderen Kündigungsschutz genießt, nicht zu Überstunden verpflichtet werden kann oder Anspruch auf Zusatzurlaub hat.

Ist es denn für Menschen mit einer Schwerbehinderung oder chronischen Erkrankung möglich, in einem Logistikzentrum zu arbeiten?

Ja, das ist durchaus möglich, Amazon tut hier sehr viel, und die Zusammenarbeit mit dem Management ist einfach toll und macht Spaß. Einige unserer Mitarbeiter sind beispielsweise in ihrem Bewegungsapparat eingeschränkt. Dann werden die Arbeitsplätze umgestaltet, Stehhilfen angeschafft oder Hochstühle eingesetzt. Für unsere gehörlosen Mitarbeiter haben wir regelmäßig Gebärden-Dolmetscher im Einsatz, beispielsweise an unseren Unternehmensversammlungen, den sogenannten „All Hands“, auf denen die Mitarbeiter regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen informiert werden. Bei den „Starter Meetings“, das sind die täglichen Besprechungen vor Beginn der Schichten, informieren wir die gehörlosen Mitarbeiter schriftlich. Das funktioniert ganz gut. Ich würde sagen, wir sind da in Bad Hersfeld auf einem sehr guten Weg mit den Maßnahmen.

Gibt es auch Maßnahmen für Mitarbeiter, die zwar körperlich beeinträchtigt, aber nicht offiziell als schwerbehindert eingestuft sind?

Ja, das gibt es und bislang haben wir zusammen mit der Standortleitung immer eine Lösung für den betroffenen Mitarbeiter gefunden. Wir überlegen hier gemeinsam, wie man den Mitarbeitern am besten helfen kann. Ich bin sehr froh, dass die Zusammenarbeit mit dem Management sehr offen und konstruktiv ist. Bad Hersfeld macht da sehr viel.

Was ist das Schönste an Deiner Arbeit?

Das Schönste ist es für mich zu erleben, wie sich die Sorgen unserer Mitarbeiter, die mit einer körperlicher Beeinträchtigung konfrontiert sind, mit der Zeit auflösen. Wenn sie merken, dass die Arbeit mithilfe der neuen Lösung funktioniert – und das Lächeln auf die Lippen zurückkommt.