Frustfreie Verpackung bei Amazon

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Frustfreie Verpackung: Georg WolfJeder kennt den einsamen Kampf mit Verpackungen: Schicht um Schicht erleichtert man die begehrte Ware von Plastikhüllen, knabbert an Vakuumverpackungen, reißt konzentriert nach Anweisung Perforiertes auf, um am Ende doch nur mit einem abgerissenen Stück Pappe in der Hand dazustehen. Und die Ware? Immer noch fest verpackt. Bei Amazon wurde deshalb die „Frustfreie Verpackung“ erfunden. Hinter diesem Namen steckt eine über mehrere Jahre laufende Initiative, die für Amazon-Kunden das Auspacken von Produkten vereinfacht. Frustfreie Verpackungen sind einfach zu öffnen, recyclingfähig, und die Produkte werden in ihrer eigenen Verpackung ohne Amazon-Umverpackung geliefert. Das Produkt bleibt selbstverständlich gleich und sicher für den Transport verpackt, Amazon verringert nur die Menge der Verpackung. Wir haben einen Spezialisten, der sich bei Amazon in Deutschland um das Thema kümmert, befragt: Georg Wolf aus München.

Du bist jetzt im neunten Jahr bei Amazon. Was hast Du vorher beruflich gemacht?

Ich war vor Amazon bei anderen Firmen in unterschiedlichen Positionen tätig. Zuletzt bei Pro7, vorher europäischer Marketingdirektor für LEGO, globaler PR-Direktor im Mobilfunkbereich von Siemens, und bei Apple im Marketing.

Was ist Deine Aufgabe bei Amazon?

Ich bin Senior Category Leader, verantwortlich für die Kategorie Büroprodukte, Schreibwaren und Software. Wir kümmern uns um alle Belange unserer Kunden in dieser Produkt- und Warenkategorie  und stellen sicher, dass Kunden bei Amazon alle Büroproduke, Schreibwaren und Software finden, die sie online kaufen wollen.

Meine zweite Rolle ist die Koordination von Verpackungsthemen für Amazon im deutschsprachigen Raum. Da ist es wichtig und gewollt, dass das jemand macht, der nah am Business ist.

Zum Thema frustfreie Verpackungen: Wie war es früher, und wie wird heute bei Amazon verpackt?

Im Prinzip war früher der Versand von Produkten an Endkunden nicht wirklich relevant. Erst seit dem Jahr 2000 mit Beginn des E-Commerce ging es richtig los. Davor wurden Produktverpackungen über viele Jahrzehnte hinweg für den stationären Handel wie Kaufhäuser und Fachgeschäfte optimiert. Und genau diese Optimierung sehen wir heute bei Amazon als total kontraproduktiv an.

Produkte wurden über viele Jahrzehnte so produziert, dass sie im Regal viel her machen. Bunte Verpackungen mit Fenstern, blinkend, und immer sehr viel größer als das Produkt selbst. Wenn der Käufer im Laden steht und für 19 Euro ein Riesenpaket mit nach Hause nehmen kann, dann wirkt das natürlich verkaufsfördernd. Dementsprechend ist das künstliche Aufblähen der Verpackungen ein Teil vom Produktmarketing der Industrie. Hinzu kommt der Diebstahlschutz im Geschäft. Der Spielzeugbagger, als stellvertretendes Beispiel, sollte möglichst nicht leicht aus der Verpackung entfernt und in die Tasche gesteckt werden können. Deswegen wird er mit der Verpackung verschraubt oder mit Drähten festgemacht.

Diebstahlschutz und Verpackungen, die durch ihre Größe Eindruck schinden sollen, sind aber für Amazon völlig irrelevant. Wir brauchen das Gegenteil, also eine nicht zu große Verpackung, die nur recycling-fähige Materialien enthält. Im Idealfall haben wir eine Verpackung, bei der maximal ein paar Zentimeter zwischen der Außenwand und dem Produkt selbst sind, und wir nur noch den Adressaufkleber aufbringen müssen. Auch wichtig: Das Auspacken sollte so ablaufen, dass es nicht nervt. Innerhalb von maximal 120 Sekunden sollte unter Zuhilfenahme von einem normalen Instrument wie Schere oder Messer eine Amazon-Verpackung zu öffnen sein. Alles ohne fiese Hartschalenplastikgeschichten, keine Verdrahtungen, keine Schrauben, wenig Müll.

Arbeitet Ihr mit Herstellern, die z.B. anders und dadurch passender verpacken?

Wir machen zweierlei:  Wir schauen uns zuerst die Produkte unserer Hersteller genau an und testen sie nach unserem 17-Stufen-Falltest. Das dafür ausgebildete Team lässt Kartons aus Knie-und Hüfthöhe auf Betonböden fallen und simuliert so den schlimmsten Fall beim Transit durch  den Versender. Gehen diese Artikel unbeschädigt durch den Test, dann brauchen wir keine weitere Umverpackung. Fallen sie durch, dann sprechen wir den Hersteller an und stellen ihm unsere Vorschläge zu besseren Verpackungsformen für den Versand vor.

Sind die Hersteller denn offen für Eure Anregungen?

Der Online-Verkauf wird für viele Hersteller immer wichtiger. Diese wiederum sind dankbar und offen, wenn wir den Dialog suchen und sagen: Dein Produkt sieht nicht aus wie ein E-Commerce-Produkt aussehen sollte, sondern wie eine Regalverpackung im Kaufhaus. Ein fruchtbarer Austausch für beide Seiten.

Gibt es aufgrund der Verpackung Ausschlüsse von Herstellern bei Amazon?

Wir machen uns, sehr viele Gedanken um das Thema Verpackung. Unsere Hersteller sollen effizient, frustfrei, kostengünstig und nachhaltig verpacken.

Ich gebe mal als  Beispiel ein komplexes Produkt: Das Kopierpapier. Günstig, schwer und empfindlich, also kein einfach zu verpackendes Produkt. Wir bei Amazon setzen den frustfreien Verpackungsstandard voraus, und nur so kann ein Industriepartner seine Ware über uns verkaufen. Der Hersteller des Kopierpapiers hat jetzt eine Spezialpapierverpackung entwickeln lassen. Diese hat unseren 17-Stufen-Falltest bestanden und wird in den nächsten Wochen umgesetzt werden. Das wird dann das einzige Papier sein, das bei Amazon angeboten wird.

Gibt es einen Verpackungsunterschied von Deutschland zu anderen Ländern?

Nein, das ist globaler Standard, da wird nicht unterschieden.

Wer verantwortet das Thema Verpackung und Umwelt international bei Amazon?

Ich mache das als Zweitrolle für Deutschland. Es gibt einen hauptamtlichen Kollegen für Europa. Der verantwortet auf europäischer Ebene das komplette Thema frustfreie Verpackung.

Worauf achtest Du besonders kritisch?

Auf die Zufriedenheit unserer Kunden. Bei Amazon ist das positive Kundenerlebnis das Allerwichtigste. Für uns ist das Kundenfeedback ein Privileg, wir nehmen alles an und analysieren es, gerade negatives Feedback. Ziel ist es, „Customer Pain“ abzustellen, also das, was dem Kunden am meisten weh tut.

Wenn man sich eine Verpackung von Amazon anschaut, dann sieht man sehr schnell die Aufschrift „Bewerten Sie die Verpackung“. Viele tausend Kunden pro Woche nehmen dieses Angebot an und schreiben uns. Man kann seine Einkäufe auf www.amazon.de/verpackung bewerten. War der Artikel angemessen verpackt, war er intakt? Eigene Bilder können hochgeladen werden, es gibt Platz für Text. Ich achte besonders darauf, dass keine Chance zur Verbesserung vergeben wird.

Mehr Informationen zur frustfreien Verpackung bei Amazon gibt es hier.

Mehr Informationen zur frustfreien Verpackung bei Amazon gibt es hier.

Was ist am schwierigsten zu verpacken?

Besonders schwer sind Produktmischungen in einem Karton. Als wir zum Beispiel die Kategorie Lebensmittel mit in unser Angebot genommen haben, da wusste der Computer noch nicht, dass eine Hantel und eine Tüte Kartoffelchips gemeinsam in einem Karton keine gute Idee ist.  Auf diesem Gebiet lernen wir immer noch hinzu.

Wie sieht Deine Traumverpackung der Zukunft aus?

Noch weniger Material, alles zu 100% recyclingfähig, und im Idealfall mit einer Funktion nach der Verpackung, also wiederverwertbare Kartons.